Günter Nosch – Dinge lesen

17. Juni bis 30. Juli 2023
Eröffnung: Freitag, 16. Juni, 19 Uhr

Günter Nosch: Buchstäblich Malerei, Acryl auf Leinwand auf Karton, 125 x 95 cm (Ausschnitt)
© VG Bild-Kunst, Bonn 2023

Das Kallmann-Museum Ismaning zeigt in Zusammenarbeit mit der Galerie im Schlosspavillon die Ausstellung „Günter Nosch – Dinge lesen“. Die Ausstellung präsentiert einen umfassenden Überblick über Günter Noschs vielseitiges Schaffen der letzten Jahre, in dem er sich auf hintersinnige und humorvolle Weise mit „Poetischen Systemen“ auseinandersetzt. Er hinterfragt das Verhältnis von Bild und Sprache, von Zeichen und Objekt sowie die ästhetischen und erzählerischen Qualitäten von einfachen, gefundenen Dingen. In Ismaning sind neben Zeichnungen und Malereien objekthafte und installative Arbeiten zu sehen, darunter umfangreiche Sammlungen von rätselhaften Dingen, die in Tischvitrinen präsentiert werden.

Günter Nosch, der 1987 sein Diplom an der Akademie der bildenden Künste in München machte, lebt und arbeitet heute in Weilheim. Sein „spielerisches Verhältnis zur Sprache“ (Nosch) reicht bis in seine künstlerischen Anfänge zurück, als er sich mit der Konkreten Poesie beschäftigte, ehe er sich einer gestischen Malerei zuwandte. Mit Farbe und Rakel schuf er in einem kontemplativen, nahezu kalligraphischen Prozess ungegenständliche Kompositionen, die zugleich die Farbe und deren Struktur als Spuren dieses Prozesses untersuchten. Seit einigen Jahren nun widmet er sich schwerpunktmäßig der dinglichen Welt und deren Verbindung mit Sprache. Nosch arbeitet an Poetischen Systemen als einer künstlerischen Befragung von Schrift, Zeichen, Dingen und Bedeutung.

In mehreren Vitrinen präsentiert Nosch Arbeiten aus seinen Serien „Duden dichten“ – kleine, gefundene Objekte wie Farbreste, Fragmente, Papierreste, Deckel von Farbtuben, Spuren der künstlerischen Arbeit, die normalerweise achtlos entsorgt werden, aber auch Werkzeuge, Stempel oder Farbbänder. In all diesen Dingen entdeckt Nosch eine besondere ästhetische und erzählerische Qualität, die er mit kurzen lexikalischen Texten kombiniert, die dem Duden entnommen sein könnten und Präzision, Klarheit und Wissen suggerieren. Allerdings werden hier Gegenstände wie „Malzeug“, „Getym“, „Zeitstaben“ oder „Kunftkürzer“ erklärt. Rätselhafte Gegenstände also, deren Bedeutung nur vermeintlich offengelegt wird, und die uns vor die irritierende Frage stellen, was wir im Zusammenspiel von Ding und Text eigentlich sehen.

Andere Werke zeigen auf Bildträgern gleichmäßige Abfolgen von zeichenhaften Elementen. Sie erinnern in ihrem Gesamtbild an eine Schrift, die wir jedoch nicht entziffern können. Seien es verschiedene Kabel oder farbige Papier- oder Leinwandreste, immer erscheinen die einzelnen Elemente als Zeichen und Objekt zugleich. Günter Nosch zeigt Zeichen, die keine sind. Mit den Strom- und Datenkabeln verweist er dabei zudem nicht nur auf moderne Kommunikationsmittel, sondern zugleich auch auf das Unsichtbare des Digitalen.

Aber auch in seinen malerischen und zeichnerischen Arbeiten, darunter eine eigens für den Raum entwickelte, große Papierbahn, zeigen sich Linien und Strukturen, die an Schrift, Notationen oder andere Zeichensysteme denken lassen.

In Noschs Arbeiten werden unterschiedliche Ebenen des Verhältnisses von dinglicher, sprachlicher und zeichenhafter Welt untersucht. Dabei entfaltet sich ein faszinierendes Spiel von Wissen und Nichtwissen, Entschlüsselung und Verrätselung, Erkennen und Zweifeln, Zeigen und Verweigern.