Kallmann-Preis 2019
Doris Maximiliane Würgert – blurred memory

Eröffnung: Freitag, 13. Dezember 2019, 19 Uhr
14. Dezember 2019 – 23. Februar 2020
Verlängert bis 8. März 2020

Doris Maximiliane Würgert, LD2019, 2019, Gummidruck auf Nessel, 175 x 200 cm
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Mit dem Kallmann-Preis 2019 wird Doris Maximiliane Würgert ausgezeichnet, deren Porträtbegriff neben der Darstellung menschlicher Gesichter auch Gegenstände und räumliche Situationen umfasst. Ihre Arbeiten, denen fotografische und filmische Verfahren zugrunde liegen, thematisieren Zeit und Erinnerungen sowie die Frage nach dem Verhältnis von Bild und Wirklichkeit, Gefühl und Vernunft, Wahrnehmen und Wissen.

Großformatige Porträts zeigen frontal aufgenommene Gesichter, wobei es keinerlei nähere Hinweise auf die Identität der Dargestellten gibt. Durch die Frontalität der Aufnahmen und die Dimension der Bilder besitzen die Dargestellten zwar eine starke Präsenz, zugleich erscheinen sie in sich gekehrt, abwesend, eigentümlich distanziert. Für die Ausstellung »blurred memory« hat Doris M. Würgert zahlreiche neue Arbeiten geschaffen, die sich unter anderem mit dem Depot des Hauses befassen und gewissermaßen ein Porträt des Museums an sich erzeugen. In Würgerts Bildern von einzelnen Gegenständen wie Stühlen, Lampen oder Vasen erscheinen die Gegenstände als Projektionsfläche für unsere eigenen Erinnerungen. Zeit und Erinnerung stehen auch im Zentrum der Videoarbeiten der Ausstellung, für die Würgert etwa den Bilderspeicher ihres Smartphones als Ausgangspunkt nimmt oder Szenen aus Literatur, Film und Alltag zu einem Konglomerat aus Erfindung und Vorstellung vermischt, bis sich jede Gewissheit von Wirklichkeit verflüchtigt.

Das Ungreifbare vieler Arbeiten von Doris M. Würgert wirft uns fortwährend auf die Erkenntnis zurück, dass Erinnerungen und das Empfinden von Wirklichkeit subjektiv sind, sich permanent verändern und durch neue Eindrücke überschrieben werden können. Im medialen Zeitalter von Selbstdarstellung, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz lassen sich ihre Arbeiten zudem als künstlerisch gestellte Frage nach der eigenen Identität verstehen.

Doris M. Würgert (*1960 in Osterhofen) absolvierte nach einem Studium der Mathematik und Psychologie ihre Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste München und war als künstlerische Mitarbeiterin von Prof. Dieter Rehm tätig. Seit 2007 lehrt sie dort grafische Gestaltung. Die Arbeiten der mehrfach ausgezeichneten Künstlerin waren national und international in zahlreichen Ausstellungen zu sehen.