Ausweitung der Marktzone – Künstlerische Fragen an den heutigen Kapitalismus

Eröffnung: Freitag, 20. März 2020, 19 Uhr
21. März – 21. Juni 2020

AG Arbeit, Iván Argote, Ruben Aubrecht, Tom Früchtl, Mariam Ghani, Jochen Höller, Christian Jankowski, Sven Johne, Anja Kempe, Federico Martínez Montoya, Beate Passow, Oliver Ressler, Julian Röder, Andreas Siekmann, Pilvi Takala, Brian Ulrich, Stefanie Unruh, Thomas Weinberger / Benjamin Zuber, Stefanie Zoche

Jochen Höller: Pulse, 2016, Edelstahl, vergoldet, 100 × 11 × 8 cm
Courtesy the artist

Märkte in ihren unterschiedlichen Ausprägungen sind seit Jahrtausenden wesentlicher Bestandteil des Zusammenlebens von Menschen. Auf traditionellen Märkten wurden und werden Waren des täglichen Bedarfs gehandelt, aber auch Luxusgüter und Kunstwerke wurden schon früh und weit über die Grenzen von Herrschaftsgebieten und Kontinenten hinweg ausgetauscht. So hat sich im Laufe der Geschichte für alles, was gehandelt werden kann, der entsprechende Markt gebildet. Durch die massive Ausbreitung der neoliberalen Ideologie in den vergangenen Jahrzehnten griffen die Prinzipien eines sogenannten freien Marktes auf immer mehr vormals öffentliche oder staatliche Bereiche der Gesellschaft über und gliederten sie in ihre Logik ein. Über den Austausch von Waren, Dienstleistungen, Rohstoffen, Finanzen und menschlicher Arbeitskraft hinweg hat sich ein dereguliertes ökonomisches Prinzip noch in den letzten Bereich unseres individuellen Lebens, den Körper, hinein verlagert und aus Individuen permanente Marktteilnehmer*innen gemacht, die für ihren Erfolg, ihr Glück und letztlich ihr Überleben selbst verantwortlich sind. Der fest im allgemeinen Sprachgebrauch verankerte Begriff „Markt“ wird dabei gerne mit unverfänglichen Assoziationen von vermeintlich alles zum Guten regelnden „natürlichen Kräften“ und „Eigengesetzmäßigkeiten“ konnotiert, die allerdings die oftmals zerstörerische Entfaltung des Marktprinzips nur schwer fassen, ja sie sogar verschleiern.

Die Ausstellung „Ausweitung der Marktzone“ stellt künstlerische Positionen vor, die die Mechanismen und Auswirkungen des Marktes aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Die gezeigten Arbeiten thematisieren etwa grundlegende Dynamiken des Kapitalismus und untersuchen die damit verbundenen Herrschaftsprinzipien auf grafische, aufklärerische Weise. Sie fragen, wie durch menschliche Arbeit Werte entstehen, und zeigen aktuelle Ausprägungen von internationalen Märkten, auf denen tödliche Waffen wie andere Konsumartikel auch angepriesen und gehandelt werden. Aber auch die humorvolle Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir uns als moderne Jäger durch die Angebote der Supermärkte bewegen, ist Teil der Ausstellung, ebenso wie der Blick auf kapitalistische Prinzipien, die das tägliche Leben verändern und im Bereich der Arbeit nicht nur zu prekären Verhältnissen führen, sondern auch zu einem permanenten Zwang, die eigene Persönlichkeit zu optimieren. Die in der Ausstellung gezeigten Werke beschäftigen sich aber auch mit dem Kunstmarkt, den Finanzmärkten, dem Immobilienmarkt sowie dem globalen Rohstoffhandel. Dabei spielen die Anfälligkeit und Erschütterung von Märkten eine Rolle sowie die Folgen unseres Wirtschaftens für Menschen in anderen Regionen der Welt und nicht zuletzt für die Natur.