Zwischen Passion und Kalkül – Neusachliche Werke aus der Sammlung Brabant

Zwischen Passion und Kalkül – Neusachliche Werke aus der Sammlung Brabant

3. Oktober bis 7. Dezember 2014
Eröffnung: Donnerstag, 2. Oktober 2014, 19:00 Uhr

Max Ackermann, Christian Arnold, Gerd Arntz, Albert Birkle, Friedrich Busack, Otto Dix, Oscar Kurt Döbrich, August Wilhelm Dressler, Heinrich Ehmsen, Alois Erbach, Conrad Felixmüller, Heribert Fischer-Geising, Pierre Girieud, Walter Gramatté, George Grosz, Karl Hofer, Karl Hubbuch, Willi Jaeckel, Grethe Jürgens, Alexander Kanoldt, Arthur Kaufmann, Immanuel Knayer, Mack Kock, Willibald Krain, Hans Kralik, Bernhard Kretzschmar, Franz Lenk, Erich Lindenau, Elfriede Lohse-Wächtler, Jeanne Mammen, Otto Möller, Hermann Mühlen, Reinhold Naegele, Ulrich Neujahr, Gerta Overbeck-Schenk, Hermann Max Pechstein, Otto Ritschl, Christian Schad, Josef Scharl, Rudolf Schlichter, Georg Scholz, Georg Schrimpf, Richard Seewald, Alice Sommer, Georg Tappert, Adolf Uzarski, Clemens Vogt, Bruno Voigt, Erich Wegner, Kurt Weinhold, Gustav Wunderwald, Johannes Wüsten, Richard Ziegler.

Alois Erbach, Selbstbildnis, 1927, Aquarell, 50 x 40 cm

Mit dieser Ausstellung präsentierte das Kallmann-Museum eine umfangreiche Auswahl an Arbeiten der „Neuen Sachlichkeit“ aus der Sammlung Brabant. Die rund 80 gezeigten Gemälde, Zeichnungen und druckgrafischen Arbeiten entstanden in der Zeit der Weimarer Republik. Sie geben einen faszinierenden Einblick in eine Epoche, die von gewaltigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen, von Unsicherheiten, Extremen und Widersprüchen geprägt war. Zu sehen sind u.a. Werke von Otto Dix, George Grosz, Rudolf Schlichter, Karl Hubbuch, Georg Scholz und Otto Möller.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und angesichts der sozialen Not ihrer Zeit wandten sich viele Künstler einem neuen Realismus in der Kunst zu, für den sich bereits in den 1920er Jahren der Begriff der „Neuen Sachlichkeit“ etablierte. Ihr künstlerischer Blick auf die Wirklichkeit der Weimarer Republik war nüchtern, sachlich, analytisch und ungetrübt von Emotionen. Die „Neue Sachlichkeit“ wurde somit zu einer Gegenströmung des als subjektiv und weltfremd verachteten Expressionismus.

Ihre Sujets entnahmen die Künstler den Themenkreisen von Großstadttristesse, Arbeitermilieu, Prostitution, Halbwelt, Siechtum, Gefangenschaft, Selbstmord, Psychiatrie und Verbrechen. Daneben richtete sich ihr sachlicher Blick aber auch auf Landschaften und Menschen sowie auf das moderne Großstadtleben der Goldenen Zwanziger, dieser Blütezeit von Film, Kino und Mode.

So waren die Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“ zum einen sozialkritische Chronisten und Ankläger, die die Verhältnisse der Weimarer Republik schonungslos darstellten und bisweilen auch offen Partei ergriffen. Zu diesen „Veristen“ gehörten etwa Otto Dix, George Grosz, Georg Scholz und Karl Hubbuch. Zum anderen wandten sie sich einer Malerei zu, die in zeitloser Verfestigung der gegenständlichen Formen eine nahezu klassisch anmutende, stabile Ordnung ausdrückte. Zu den „Klassizisten“ gehörten u.a. Karl Hofer, Alexander Kanoldt, Otto Möller, Ulrich Neujahr oder Gerta Overbeck-Schenk.

Sammmlung Brabant
In seiner fast 50-jährigen Sammeltätigkeit hat der Wiesbadener Kunstkenner Frank Brabant einen beeindruckenden, vielfältigen Bestand von mehr als 450 Kunstwerken aus der Zeit des 19. und 20. Jahrhunderts zusammengetragen. Seine Sammlung gehört zu den bedeutenden deutschen Privatsammlungen, die neben großen Namen der Kunstgeschichte auch weniger bekannte Künstler der sogenannten „Verschollenen Generation“ vereint. Mit der aktuellen Schau erfüllt sich nun ein lange gehegter Wunsch des Sammlers, die Aufmerksamkeit auf die Kunstwerke der Neuen Sachlichkeit zu lenken. Teile der Sammlung Brabant waren mit anderen Schwerpunktsetzungen bereits 2011 und 2012 im Kallmann-Museum zu sehen.

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museum »Haus Opherdicke« im Kreis Unna, begleitend erscheint ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen Abbildungen

2017-11-30T15:19:34+00:00