Eduardo Palomares – Meer im Stein
26. April – 26. Juli 2026
Eröffnung: So., 26. April, 15 Uhr
Galerie im Schlosspavillon

Mit der Einzelausstellung „Meer im Stein“ verwandelt Eduardo Palomares den historischen Schlosspavillon mit Skulpturen aus Keramik und Stein, mit Gemälden, Videos und installativen Arbeiten in eine eindrucksvolle, poetische Rauminstallation, die uns mit auf eine sinnliche Reise zum Salz in seinen verschiedenen Erscheinungen, seiner Geschichte und seiner Bedeutung für unser Leben nimmt.
Eduardo Palomares (* 1992) stammt aus Madrid, wo er zunächst Kunst studierte, ehe er nach München kam, wo er schließlich 2024 sein Diplom an der Kunstakademie machte. Die Ausstellung „Meer im Stein“ ist seine erste museale Einzelausstellung.
Palomares interessiert sich dafür, wie Landschaften über lange Zeiträume erodieren, sich verändern und welche Erinnerungen sie in sich tragen. Für die Ismaninger Ausstellung geht er solchen Fragen anhand von Salz nach. Das Salz der Ausstellung stammt aus den bayerischen Alpen. Es ist ursprünglich Meersalz, das nun in den Höhlen der Berge lagert und somit Millionen Jahre Erdgeschichte in sich birgt und uns davon erzählt, dass Europa einstmals von Meeren bedeckt war. So erscheint das Salz wie eine Erinnerung, die Meer und Berge, Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Es steht damit exemplarisch für Eduardo Palomares‘ Verständnis von Welt, dass alles mit allem verbunden ist und in einer Beziehung zueinander steht.
Mit der Ausstellung im Ismaninger Schlosspavillon, einem Ort des Adels, verweist Palomares aber auch auf die Geschichte von Salz als Handelsgut in Bayern, auf die Isar als Wasserstraße, auf die Stadtgründung Münchens sowie auf den hohen Wert, den das „weiße Gold“ in früheren Jahrhunderten hatte.
Das Salz taucht in der Ausstellung in unterschiedlichen Erscheinungsformen auf. So hängen im Raum Fäden, an denen Salz kristallisiert und die dadurch wie Stalaktiten erscheinen. In kurzer Zeit ahmt Palomares hier einen Prozess nach, der in der Natur Tausende von Jahren dauert.
Von besonderer Bedeutung für Palomares sind zudem seine Keramiken, die er in Salzwasser legt, so dass das Salz an der Oberfläche kristallisiert und eine weiße Schicht erzeugt. Die Keramiken schichtet er zu schlanken Türmen, die von Stalagmiten inspiriert sind, die aber auch an Pflanzen, Blüten oder Korallen erinnern. Sie machen anschaulich erfahrbar, wie etwas Schicht für Schicht wächst, und zugleich lassen sie in ihrer grauen Farbe auch an Korallen denken, die sterben, mit der Zeit zerbrechen und schließlich als Sand im Meer aufgehen.
Daneben spielt bei Palomares das Gefäß in einer archaischen Form eine zentrale Rolle in der Ausstellung. Aus Stein gehauene Schalen verbinden uns mit der frühen Geschichte der Menschheit, als erstmals Gefäße als Werkzeuge benutzt wurden, um Wasser zu sammeln und aufzubewahren. Aber auch Krüge, die Palomares für eine Performance am Eröffnungstag nutzte, greifen diesen Aspekt auf.
In Venezuela, wo Palomares 2025 als Artist in Residence lebte, erlernte er von einheimischen Kunsthandwerkern eine alte Technik der Tonverarbeitung, bei der er den Ton selbst aus der Erde geholt, geformt, gebrannt und anschließend mit Salz kristallisiert hat. Allerdings ist der Anteil an Erde sehr hoch, so dass die Gefäße keine so lange Haltbarkeit haben wie andere Tongefäße und im Laufe der Zeit langsam zerbröseln – und damit wieder zu Erde werden.
In Venezuela hat Palomares zudem mit Kunsthandwerkern eine Performance gemacht, die als Film in der Ausstellung zu sehen ist. Dabei nutzte er Amphoren, um Salz und Meerwasser zu sammeln und in die Berge der Insel zu tragen. Eine Aktion, die in ihrer archaischen Ruhe Meer und Gebirge durch ihre Materialität Ton, Salz und Wasser verbindet und einen natürlichen Kreislauf sinnlich erfahrbar macht.
Auch in seinen abstrakten Gemälden setzt Palomares Salz ein, das sich als weiße Farbe reliefartig auf der Leinwand erhebt. Daneben sehen wir Blattsilber, ein Metall also, sowie ein dominierendes Blau, dessen Pigmente aus der Erde kommen und das an das Blau des Meeres und damit an die ursprüngliche Herkunft des bayerischen Steinsalzes erinnert.
Auch der Geruchssinn wird in der Ausstellung angesprochen durch einen Zirbenduft, der an Berglandschaften erinnert und damit eine atmosphärische Verbindung zwischen Landschaft, Erinnerung und Material schafft.
„Meer im Stein“ ist Teil der Ausstellungsreihe „Mit allen Sinnen“ des Museumsverbunds Landpartie – Museen rund um München.
