Yvonne Roeb – Nocturnal Eden

Kallmann-Preisträgerin 2018
Yvonne Roeb – Nocturnal Eden

Eröffnung: Donnerstag, 6. Dezember 2018, 18 Uhr
7. Dezember 2018 – 10 Februar 2019

Yvonne Roeb, Alter Ego, 2015
PU-Schaum, Bronzebeschichtung, Patina
48,5 x 34 x 84 cm

Erstmals vergibt die Prof. Hans Jürgen Kallmann-Stiftung in diesem Jahr den Kallmann-Preis, der nun jährlich vergeben wird. Er richtet sich an in Deutschland lebende bildende Künstler*innen und zeichnet besondere zeitgenössische künstlerische Leistungen in den drei Motiv- und Themenkreisen aus, die Schwerpunkte im Schaffen von Hans Jürgen Kallmann (1908-1991), dem Gründer des Kallmann-Museums, waren: Porträt / Tier / Landschaft. Der Preis ist mit 8.000 Euro dotiert und setzt sich zusammen aus 500 Euro Preisgeld und 7.500 Euro für eine Einzelausstellung mit Katalog. Rund 300 Künstler*innen aus ganz Deutschland haben sich für den Kallmann-Preis 2018 beworben.

Mit Yvonne Roeb (geb. 1976) wird eine Künstlerin ausgezeichnet, deren eindrucksvolle Auseinandersetzung mit dem Topos Tier eine sehr eigenständige Position innerhalb des aktuellen bildhauerischen Schaffens in Deutschland darstellt. Ihre Arbeiten werden im Rahmen einer Einzelausstellung vom 7. Dezember 2018 bis 10. Februar 2019 im Kallmann-Museum zu sehen sein.

Roeb erschafft skulpturale Wesen, meistens in einem kleinen Format, die eine starke suggestive Kraft entfalten. Dabei bleibt in der ersten Anschauung häufig offen, ob es sich um künstlich geschaffene Skulpturen oder nicht doch um Tier- und Pflanzenpräparate oder echte Fossilien handelt. Ihre surreal anmutenden Wesen und Mischwesen erscheinen rätselhaft, symbolhaft und evozieren vielfältige Bezüge zu Legenden, Mythen und Märchen, aber etwa auch zur Welt des Horrors. Sie könnten unseren Urängsten und Träumen entstammen, aber ebenso einem spirituell-religiösen Kontext. Wie Kultgegenstände vergangener oder fremder Kulturen scheinen sie alte Kräfte und verborgene Mächte aufzurufen, dann wieder wirken sie wie eigentümliche Objekte der naturwissenschaftlichen Forschung.

Roebs Arbeiten sind das Ergebnis eines aufwändigen handwerklichen Prozesses von hoher Perfektion. Sie werden aus unterschiedlichen Materialien wie Wachs, Silikon und Gips, aber auch Tierhaaren, Polyester und Bauschaum hergestellt. Durch Roebs Behandlung der Oberflächen aber ist das Material oft nicht erkennbar, stattdessen wird etwa der Eindruck patinierter Bronze oder anderer klassischer Bildhauermaterialien oder auch natürlicher Materialien erweckt. In ihren Ausstellungen stellt Roeb ihre Objekte zu raumgreifenden Installationen zusammen, die an naturhistorische Sammlungen ebenso erinnern wie an die Kunst- und Wunderkammern früherer Jahrhunderte. Dabei rufen sie Erstaunen hervor, sie lassen uns erschaudern, und sind doch zugleich von erlesener Schönheit.

Yvonne Roeb erhält den Kallmann-Preis 2018 für ihre künstlerisch herausragenden Skulpturen, die das Tier nicht nur als Erscheinung der Natur betrachten, sondern insbesondere auch als ein bedeutsames Motiv der Kulturgeschichte.

Yvonne Roeb wurde 1976 in Frankfurt am Main geboren. Sie hat in Münster bei Timm Ulrichs studiert und war Meisterschülerin von Katharina Fritsch. In den vergangenen Jahren hatte sie zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, unter anderem im Lehmbruck-Museum in Duisburg und in der Schering-Stiftung in Berlin.

Die Jury des Kallmann-Preises 2018 bestand aus dem Direktor des Kunsthauses Kaufbeuren, Jan T. Wilms, Dr. Daniela Stöppel vom Institut für Kunstgeschichte der LMU München und dem Berliner Künstler Sven Drühl. Die Prof. Hans Jürgen Kallmann-Stiftung wurde von ihrem Vorsitzenden Michael Sedlmair vertreten, das Kallmann-Museum von dessen Leiter Rasmus Kleine.

2018-12-13T12:08:48+00:00